22 Oktober 2009

Über Lissabon, Verfassungsgericht und Repräsentationsprinzip

Gestern sprach Prof. Dr. Christoph Ohler (Universität Jena) auf Einladung der JEF Erfurt zum Thema: Quo Vadis EU - Der Weg Europas nach dem irischen Referendum. In familiärer Runde löste Herr Ohler schnell den üblichen Referatsstil durch einen offenen Dialog mit den Teilnehmern ab. Nach einem Überblick über den bisherigen Integrationsverlauf, entflammte eine Diskussion um die ambitiösen Ziele des Verfassungsvertrages und das, was von ihm im Lissabon Reformvertrag übrig blieb. Abgesehen von einigen formalen Änderungen sei es vor allem auf weniger symoblische staatstragende Elemente angekommen, um den Weg für den Lissabon Vertrag frei zu machen.

Keine Einigkeit wurde darüber erzielt, ob die Union an zu viel oder zu wenig Politik leide. Prof. Ohler erläuterte, dass punktuell durchaus hoch politisierte europäische Debatten stattfänden, so etwa bei der Dienstleistungsrichtlinie oder bei den Agrasubventionen. Einigen Teilnehmern war dies aber nicht genug, um eine tatsächliche europäische Öffentlichkeit zu schaffen. Auch was den Charakter der Unionsorgane anbelangte, wurde heiß diskutiert. So sahen Teilnehmer die starke Abhängigkeit der Kommission von den EU Mitgliedstaaten als problematisch an, da dies regelmäßig zu schwachen Kommissaren führe. Dagegen setzte Ohler die tatsächliche Kompetenzenfülle der EU Kommission, die quasi ohne Gegengewicht wäre, wenn die Mitgliedstaaten bei ihrer Besetzung nicht entsprechend mitreden dürften.

Interessant waren auch Prof. Ohlers Ausführungen zum Verfassungsgerichtsurteil. Das BVG habe weiteren Integrationsschritten der EU insofern einen Riegel vorgeschoben, dass es die im Lissabonner Vertrag enthaltenden Elemente zur Kompetenzerweiterung ohne erneuter Ratifizierung unter Parlamentsvorbehalt stellte. Mit anderen Worten müssten alle Entscheidungen, die eine Kompetenzerweiterung ohne Vertragsänderungsverfahren vorsehen, durch den deutschen Bundestag bestätigt werden.

Dies ist für mein Dafürhalten eine Hürde, die eine deutsche Bundesregierung durchaus gewillt sein sollte zu nehmen. Es muss kein Ende jeglicher Integration bedeuten. Weitere interessante Redebeiträge entspannen sich um das Demokratieprinzip und Fragen der In- und Outputlegitimation von Regierungsentscheidung. Also der Frage, ob sich Regierungen nur durch demokratische Wahlen legitimieren (Input) oder auch durch eine gute Politik und ihre Ergebnisse (Output).

Insgesamt ein sehr gelungener Abend. Wir danken der Europa-Union Thüringen für die finanzielle Unterstützung.

von Martin Behrens

15 Oktober 2009

Veranstaltung der JEF Erfurt und der EUD-Thüringen

13 Oktober 2009

Aktuelle europapolitische Initiativen

Anbei eine kurze Zusammenfassung von der Präsidiumssitzung der Europa-Union Deutschlands in Halle vom 10.Oktober geschrieben von Marco Schwarz (Assistent der GF Europa-Union Deutschland):

"Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder der Europa-Union,

seit der Lissabon-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes sind in unserem Verband zahlreiche Initiativen ins Leben gerufen worden, die sich kritisch mit dem Karlsruher Urteil befassen und Vorschläge zur Verbesserung der deutschen Europapolitik machen. Das Präsidium der Europa-Union hat auf seiner Sitzung in Halle Erwartungen an die Partner der zukünftigen Koalition im Deutschen Bundestag formuliert, mehrere Landesverbände schlagen eine Grundgesetz-Änderung vor und die Mitglieder unseres Jugendverbands, die Jungen Europäischen Föderalisten, fordern in ihrem Föderalismus-Beschluss institutionelle Reformen der EU und eine vertiefte Integration. Die AG Europa-Professionell hat sich mehrfach zu Wort gemeldet.

Der Bundesauschuss der Europa-Union, der sich am vergangenen Samstag einmütig dazu bekannt hat, weiterhin am Ziel des Europäischen Bundesstaates festzuhalten, hat nun die AG Europäische Verfassung damit beauftragt, einen Leitantrag für den Bundeskongress Anfang Dezember in Stuttgart-Gerlingen zu erarbeiten.

Alle erwähnten Dokumente finden Sie bitte auf der Homepage des Bundesverbandes unter www.europa-union.de

Bitte informieren Sie auch die Mitglieder Ihres Landes- oder Kreisverbandes über die europapolitischen Vorstöße unseres Verbandes. Wenn aus Ihren Untergliederungen ähnliche Initiativen bekannt sind, dann schicken Sie uns diese gerne zu. Wir leiten diese dann an die AG Europäische Verfassung weiter.

Mit föderalistischen Grüßen

Marco Schwarz

GF-Assistenz
Europa-Union Deutschland"

19 September 2009

Presseerklärung zu deutschen Begleitgesetzen

Presseerklärung vom 18.09.2009 durch den Präsidenten der Europa-Union
Deutschland Peter Altmaier:

"Die Verabschiedung der Begleitgesetze zum Vertrag von Lissabon durch den Bundesrat ist ein großartiger Schritt zur endgültigen Ratifizierung in Deutschland", erklärte heute der Präsident der Europa-Union Deutschland, Peter Altmaier. Er betonte, dass damit ein wichtiger Etappensieg für das Inkrafttreten dieses wichtigen demokratischen Reformvertrages in Europa
errungen wurde. "Dieses Signal wird in Dublin, Warschau und Prag sicherlich zur Kenntnis genommen", hob Altmaier hervor. Besondere Aufmerksamkeit misst Altmaier dem Bekenntnis des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers bei, der sich in seiner heutigen Rede vor dem Bundesrat wiederholt für die Europäische Einigung und die "Vereinigten Staaten von Europa" eingesetzt hat: "Die Europa-Union Deutschland freut sich, dass das föderale Europa weiterhin breite Unterstützung erfährt", so Peter Altmaier.

02 Juli 2009

Das Programm der neuen schwedischen Ratspräsidentschaft

Am 1. Juli ist die Ratspräsidentschaft von Tschechien an Schweden übergeben worden. Schweden wird bis Ende des Jahres die Führung des Europäischen Rates übernehmen.

Schwerpunkte im Arbeitsprogramm Schwedens sind: die globale Wirtschafts- und Finanzkrise sowie der Klimaschutz. Im Dezember soll das Folgeabkommen zum Kyoto-Protokoll in Stockholm beschlossen werden.

Natürlich gibt es in einem halben Jahr immer viel Unerwartetest, dass nicht im Programm stehen kann. So wurden die Tschechen von der russisch-ukrainischen Gaskriese, der globalen Wirtschaftskrise sowie den erneut aufflammenden Konflikt zwischen Isreal und Palästina überrascht.

11 Juni 2009

Wählen wenn nichts auf dem Spiel steht?

dieser Artikel wurde bereits am 7. Juni auf dem Blog der JEF Erfurt veröffentlicht:

Bald wird wieder Ruhe um Europa eintreten. Am 7. Juni um Punkt 18Uhr werden die ersten Hochrechnungen präsentiert werden. Dann wird das große Jubeln und Wundenlecken beginnen, gefolgt von einem ganz schnellen Übergang in den Alltag. Die Bürgerinnen und Bürger werden danach voraussichtlich erst wieder bei der Wahl der neuen Europäischen Kommission im kommenden Herbst etwas von Europa hören und dann ganz lange überhaupt nichts.
So sieht es leider aus in der nicht vorhandenen europäischen Öffentlichkeit und trotzdem will ich die Gelegenheit nicht unverstrichen lassen, über den Europawahlkampf der letzten Tage Resümee zu ziehen.

Die Wahlen zum Europäischen Parlament werden bereits seit ihrem ersten Stattfinden 1979 regelmäßig von sinkendem Wählerinteresse begleitet. Paradoxerweise obwohl die Machtbefugnisse dieser wohl demokratischsten europäischen Institution immer weiter zugenommen haben. Die Europäische Union bestimmt je nach Politikbereich zwischen 40 und 79% aller deutschen Gesetze und ihr Vielvölkerparlament hat dabei fast immer entscheidend mitzubestimmen. Die Beteiligung bei den letzten Europawahlen 2004 lagen bereits mit 46% unter der demokratischen Schmerzgrenze für demokratische Wahlen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird das Ergebnisse von 2009 sogar noch schlechter ausfallen.

Warum ist dies so? Fragt man die Deutschen, ob sie die Mitgliedschaft ihres Staates in der EU befürworten, so werden 53% mit ja antworten. Trotzdem trifft man auf Schweigen sobald mit dieser abstrakten Zustimmung auch politische Vorstellungen für ein zukünftiges Europa verbunden werden sollen. Europa bleibt für viele eine Idee, ein Raum in dem seit 60 Jahre Frieden herrscht. Das Europa aber darüber hinaus auch ein politischer Raum ist, in dem man durchaus unterschiedliche Vorstellungen haben darf über die es sich lohnt miteinander zu streiten, dass ist vielen Menschen nicht bewusst.

Ich glaube das Europa politischer werden muss. Die Menschen müssen sehen welche Konzepte es für das Europa der Zukunft gibt und das über diese Ideen gestritten wird. Ein solcher politischer Raum wird auch wieder mehr BürgerInnen begeistern können, denn er wird ihnen zeigen was bei ihrem Desinteresse auf den Spiel steht.

Bei den zahlreichen Wahlkampfveranstaltungen, die ich in den letzten Wochen besucht und teilweise mit organisiert habe, konnte ich oft das Wort vom Richtungswahlkampf hören. Leider ist mir beim Wahlkampf oft die Richtung, in die es für die einzelnen Parteien gehen sollte nicht klar geworden. Wie nebulös musste es da erst für die Mehrheit der Bevölkerung gewesen sein, die keine derartige Veranstaltung besucht hat und ihr Wissen aus Fernsehen, Zeitungen und Wahlplakaten entnehmen musste. Ohne Frage ist Europa in den letzten Wochen hier vermehrt vorgekommen. Jedoch schwerpunktmäßig in der Form einer einfachen Aufklärung über die europäischen Institutionen und ihre Verfahrensweisen. Worum in Europa gestritten wird und wurde blieb sehr oft außen vor.

Aber auch die Parteien selbst haben sich selten die Mühe gemacht ihre Programme ans Volk zu bringen. Ganz klar, dieser Europawahlkampf war, wie alle anderen vor ihm, von untergeordneter Bedeutung. Dies sah man an der Kürze der Kampagnen, dem Budget der Parteien und vor allem am personellen Angebot. Ich will den Bewerbern für die europäischen Parlamentarierposten nicht ihre Kompetenz absprechen, kennen tut sie jedenfalls niemand. In anderen Ländern treten regelmäßige ehemalige Minister und andere Spitzenpolitiker zur Europawahl an, in Deutschland muss man auf einem Wahlplakat mit Steinmeier und Martin Schulz beim Schulz einen Pfeil rüber machen, damit auch der Letze den sozialdemokratischen Spitzenkandidaten erkennt. Viel Schlimmer, die CDU verzichtete sogar völlig auf Plakate mit den Konterfei tatsächlicher Wahlkandidaten. Hier wurde gleich ganz auf Angela Merkel gesetzt, die nun scheinbar auch den Weg ins Europäische Parlament zu suchen scheint.

Hinzukommt das immer wiederkehrende Platitüdendreschen auf Wahlplakaten. Da steht dann Frieden!, Sicherheit und Freiheit; oder es wird mit der eigenen Europakompetenz geworben: 'WIR in Europa' oder 'Wir können Europa'. Ja und was könnt und vor allem was wollt ihr denn?! Gerne wird auch mit nationalen Themen im Europawahlkampf auf Stimmenfang gegangen oder warum fordert die Linke 'Raus aus Afghanistan' ohne das eine europäische Armee dort militärisch vertreten wäre.

Dabei hätten sich gerade in diesem Jahr so viele Themen für einen politischeren Wahlkampf angeboten. Warum wurde die globale Finanzkrise nicht als Chance genutzt über nationale Grenzen hinweg in den politischen Parteifamilien für gemeinsame europäische Konzepte zu werben? Warum wurde der Präsident der europäischen Kommission hinter geschlossenen Türen vorab bestimmt und nicht zum Wahlkampfthema gemacht. Auch das Europäische Parlament selbst hat mit seiner EU-weiten Kampagne für die Europawahl eine Steilvorlage für den politischen Wahlkampf geliefert. Welche Landwirtschaft wollen wir? Wie sollen die Grenzen Europas geschützt werden? Welches sind unsere Zukunftstechnologien? Wie sollen Sicherheit und Freiheit in Europa gestaltet werden? Warum wurden diese Stichworte nicht aufgegriffen, um sie für einen wirklichen Wahlkampf zu nutzen?

Mit einer solchen Kampagnengestaltung tragen die deutschen Parteien zur weiteren Entpolitisierung des Europawahlkampfes bei. Sie müssen sich nicht wundern mit schlechter Wahlbeteiligung die Quittung dafür zu bekommen. Warum auch wählen gehen, wenn scheinbar nichts auf dem Spiel zu stehen scheint.

von Martin Behrens

18 Mai 2009

Webseite bewertet Anwesenheit der EU Parlamentarier


Die Webseite Parlorama.eu bewertet die Anwesenheit alle Mitglieder des Europäischen Parlaments.

Neben der reinen Anwesenheit bei Parlamentssitzungen werden für die Bewertung noch die Aktivitäten des Parlamentariers in Bezug auf seine Mitarbeit an Berichten, mündliche und schriftliche Stellungnahmen und Anfragen sowie Anträge mit einbezogen. Es werden dabei bis zu 5 Präsenz- sowie bis zu 5 Aktivitätenpunkte vergeben. Die thüringer Abgeordenten bekamen hiernach folgende Bewertungen:

Gabriele Zimmer (5/5 Aktivität, 2/5 Präsenz)

Gisela Kallenbach (4/5 Aktivität, 4/5 Aktivität)

Dieter-Lebrecht Koch (0/5 Aktivität, 4/5 Präsenz)

Rolf Berend (0/5 Aktivität, 4/5 Präsenz)

Die Bewertungen aller deutschen Abgeordneten gibt es hier.